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Autofokus-Einstellungen

Eine einfach zu bedienende Automatik ist der Autofokus längst nicht mehr – obwohl es auch die „idiotensichere“ AF-Vollautomatik gibt, wo die Kamera von der AF-Betriebsart bis zur Messfeldwahl alles selbst bestimmt. Canon hat in seinen Spitzen – DSLRs dem Autofokus ein komplettes Hauptmenü mit vielen Unterpunkten gegönnt, und das zusätzlich zu der klassischen, noch über Knöpfe und Drehrad vorzunehmenden Wahl von Betriebsart und aktiven AF-Feldern. Wir erklären hier aus den Menüs von Canon, Nikon und Sony all diejenigen Einstellungen, welche für die Fokus-Verfolgung bewegter Objekte relevant sind. Dabei lassen sich vier Gruppen unterscheiden.

1. AF-Betriebsarten

Einzel-AF (AF-S) ist für Objekte gedacht, die sich nicht oder kaum bewegen. Bei halb gedrücktem Auslöser stellt die Kamera einmalig scharf und speichert diese Einstellung bis zur Auslösung.

Kontinuierlicher AF (AF-C), bei Canon AI Servo-AF genannt. Wenn der Auslöser halb gedrückt wird, stellt die Kamera wie beim Einzel-AF scharf, nimmt aber laufend weitere Messungen vor. Bewegt sich das Objekt, wird der Fokus nachgeführt, wobei eine Vorausberechnung erfolgt, damit im Moment der Aufnahme der Fokus immer noch auf dem (vermutlichen) Ort des Objekts liegt (prädiktive Schärfenachführung).

AF-Automatik (AF-A) : Die Kamera wechselt automatisch zwischen dem Einzelund dem kontinuierlichen AF, wenn sich das Objekt zu bewegen beginnt. Bei Canon heißt dies AI Fokus AF.

Permanenter AF (AF-F) : Nur im Live-View-Modus und bei Videoaufnahmen verfügbar. Die Kamera versucht dabei ununterbrochen, das Bild scharfzustellen, ohne dass der Auslöser gedrückt ist. Bei halbem Drücken des Auslösers wird die letzte Fokuseinstellung gespeichert. Für das Verfolgen bewegter Objekte ist dieser Modus deshalb kaum geeignet. Bei Canon heißt diese Betriebsart im Live-View-Modus Kontinuierlicher AF und im Video-Modus Movie-Servo-AF.

2. AF-Messfeldsteuerung

Die zahlreichen übers Bildfeld verteilten Fokusmessfelder lassen sich einzeln oder in Gruppen aktivieren. Fokussiert wird stets auf das nächste Objekt, das in einem der aktiven Messfelder liegt. Bei der Auto- Messfeldwahl und dem 3D-Tracking erkennt die Kamera, wenn sich das anvisierte Objekt aus einem AF-Feld in eine anderes bewegt, und schaltet die aktiven Felder
entsprechend um. Die Gesichtsverfolgung funktioniert ebenso, mit der Priorität auf Gesichter. Für sich ruhig bewegende Objekte, die sich gut anvisieren lassen, ist ein einzelnes (Spot-)Messfeld oder eine kleine Messfeldgruppe gut geeignet. Objekte mit spontanen, unvorhergesehenen Bewegungen lassen sich sicherer mit automatischer Messfeldwahl oder 3D-Tracking verfolgen. Letzterer Modus (bei Canon iTR genannt) verfolgt auch Objekte, die kurzzeitig verdeckt werden. Sony bietet in den A7-Modellen die Möglichkeit, den AF auf ein Objekt, auf das einmal scharfgestellt wurde, zu verriegeln (AF-Lock). Dieses Muster merkt sich die Kamera, was Irritationen durch andere Objekte, die bei der Verfolgung ins Messfeld geraten, verringert.

3. AF-Priorität

Bestimmt, ob die Kamera eher dem Willen des Fotografen folgt (Auslösepriorität) oder ihre eigene Entscheidung trifft und erst nach erfolgreicher Fokussierung auslöst (Schärfepriorität). Canon erlaubt, das Verhalten für das erste und alle weiteren Bilder einer Serie getrennt einzustellen.

4. AF-Konfiguration

Mit dem AF-Konfigurationswerkzeug der Canon-Kameras EOS 5D MK III und EOS 7D MK II kann man die Arbeitsweise des AF an bestimmte Situationen anpassen. Im Canon-AF-Menü gibt es sechs voreingestellte Konfigurationen, Canon nennt sie Cases (Fälle). Jeder Fall stellt eine Kombination aus den folgenden drei Einstellungen dar:

AI Servo Reaktion (Bereich -2 … 0 … +2) Legt das Verhalten fest, wenn ein Hindernis in die (aktiven) AF-Messfelder eintritt oder wenn diese vom Motiv abschweifen. Mit negativen Werten (Langsam) lässt sich der Fokus von solchen Störungen nicht so schnell irritieren, es dauert jedoch länger, auf ein neues Motiv zu fokussieren.

Nachführung bei Beschleunigung/Verzögerung (Bereich 0 … +2) Legt die Reaktion auf plötzliche Bewegungsänderungen (relativ zur Kamera) fest. Je höher der Wert, desto besser folgt der Fokus auch abrupten Geschwindigkeitsänderungen des Motivs, kann sich dann jedoch auch von kleinen Bewegungen ablenken lassen.

AF-Feld-Nachführung (Bereich 0 … +2) Legt fest, wie schnell die Kamera auf ein benachbartes AF-Feld umschaltet, wenn sich das Motiv aus dem aktiven Feld herausbewegt. Mit höheren Werten erfolgt die Umschaltung auf ein anderes Messfeld schneller, damit wächst auch die Gefahr, dass der AF ein plötzlich ins Bild kommendes Vorder- oder Hintergrunddetail fixiert und das Motiv ganz aus dem Fokus verliert. Beim Standardfall (Case 1, „Vielseitige Mehrzweckeinstellung“) sind alle Einstellungen 0. Case 2 (Einstellung -1 / 0 / 0) toleriert kurzzeitige
Verdeckungen besser. Die anderen vier Fälle sind für unterschiedliche sportliche Bewegungsmuster wie beim Tennis und Fußballspiel, Eiskunstlauf (unstete Bewegungen) und Gymnastik optimiert. Alle Fälle lassen sich individuell abändern und so zum Beispiel in ihrem Effekt verstärken. Wir führten alle Tests mit Case 1 aus, nur den Hindernis-Test (Szenario 3) zum Vergleich auch mit Case 2. Nikon bietet in den Individualfunktionen der D810 eine einzige AF-Konfigurationsmöglichkeit Schärfenachführung mit Lock-On, was etwa der AI-Servo- Reaktion von Canon entspricht.